Universitätsbericht > 2008

Stellungnahme des Rings Freiheitlicher Studenten 

 

Der „Universitätsbericht > 2008“ des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung hat sich in seiner sechsteiligen Gliederung auch mit der „Lage der Studierenden“ in Österreich befasst. Liest man diesen mit Zahlen und Fakten durchaus gut aufbereiteten, aber durch die Abschaffung der Studiengebühren leider absolut nicht mehr aktuellen Überblick, stechen zwei Punkte sofort heraus:

 

Zum Einen, dass sich Österreich auf einem Höchststand der Studienanfänge befindet, was bedeutet, dass die Zahl der erstzugelassenen ordentlichen und außerordentlichen Studierenden an den Universitäten noch nie so hoch war ( Tendenz steigend! ) und zum Zweiten, dass sich mittlerweile, prozentual gesehen, mehr Frauen als Männer an unseren Hochschulen weiterbilden. Besonders auffallend ist in den Statistiken der hohe Anteil Erstzugelassener ausländischer Herkunft von bereits 38 Prozent, was die Wichtigkeit einer EU kritischen Auseinandersetzung ( 66% der ausländischen Erstzugelassenen kommen aus dem EU-Raum) vor allem im Bezug auf die Harmonisierung in der 17. Novelle, BGBl. Nr. 20/2006 nur weiter unterstreicht und die Diskussion über die Höhe und Existenz von Studiengebühren für solche erneut entflammen lassen sollte.

 

Zurück zu den inländisch Studierenden:
Klar ist, dass die Fortbildungsbereitschaft und vor allem die Ambition zur Weiterbildung im Hochschulbereich größer geworden sind und auch in Zukunft weiterhin deutlich ansteigen werden, was im Hinblick auf die Akademikerquote Österreichs im EU und OECD Vergleich auch von großer Wichtigkeit ist und beweist, dass die staatlichen Förderungen und Unterstützungen auch zukünftig ein absolutes MUSS im akademischen Bildungsbereich darstellen. Diese haben ja letztendlich den Zugang zu den Universitäten und Fachhochschulen im enormen Ausmaß erleichtert und sind mit ein Faktum für die steigenden Studierendenzahlen an Österreichs Hochschulen. Die finanzielle Mittelaufbringung zur Unterstützung der Bildung im Land wird also in Zukunft noch mehr an Wichtigkeit gewinnen und kann und darf nicht unter Sparmaßnahmen des Bildungsministers Hahn leiden. Denn, auch wenn ein erleichterter Zugang mittlerweile gewährt ist, muss jetzt das Hauptaugenmerk auf der Qualität unserer Universitäten liegen: Forschung und Entwicklung, vor allem im naturwissenschaftlichen Bereich, sind unablässig zu fördern, um den Ausbildungsstandard gerade hier zu steigern und um im internationalen Vergleich dem Bildungs- und Leistungsniveau standhalten zu können und auch in Zukunft ein wettbewerbsfähiger Partner in der globalen Wirtschaft zu sein. Auch im Hinblick auf die Aufteilung der Gelder für die Universitäten wird nur eine leistungsorientierte Handhabung zu einer wirklichen Verbesserung auch hinsichtlich der persönlichen Ambitionen von Universitätsorganen zu der notwendigen Qualität der einzelnen Hochschulen führen. Der Ring Freiheitlicher Studenten möchte sich hier auch ausdrücklich für die leistungsorientierten Einstufungstests an diversen Universitäten aussprechen.

 

Aber nicht nur die Universitäten müssen (neu orientiert) finanziell unterstützt werden, auch den Studierenden selbst gilt es genug Aufmerksamkeit zu schenken. Der Staat fördert bereits. Im großen Ausmaß, wie sich das Bundesministerium für Wissenschaft und Bildung in seinem Universitätsbericht selbst großzügig lobt. Die Frage ist aber, ob genug Geld fließt und ob es gerecht und vor allem fair in die wirklich bedürftigen Hände gelangt. Denn es sei erwähnt, dass immer noch die Unterstützung der Eltern den zentralen Bestandteil des studentischen Einkommens darstellt, daneben aber 59 Prozent aller Studierenden während des Semesters auch noch erwerbstätig sind, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Und zwar in einem Ausmaß, dass fast ein Drittel ihrer Leistungszeit in die Erwerbstätigkeit fällt. Die Studienbeihilfe, die dies ja eigentlich auffangen sollte und laut BMFW besonders Studierenden aus finanziell schlechter gestellten Familien zu Gute kommen sollte, ist zwar, von diesem Grundgedanken ausgehend, ein Schritt in die Richtige Richtung, doch der Fehler liegt wie immer im Detail. Auch die Novellen 2007 und 2008 des Studienförderungsgesetzes haben immer noch eine große Lücke hinterlassen. Denn die Einkommensgrenzen der Eltern werden auf einer rein steuerlichen Bemessungsgrundlage bewertet. Was bedeuten kann, dass es bei Selbstständigen auf Grund steuerrechtlicher Möglichkeiten zu einer Verzerrung der Realität kommen kann und so eine teilweise falsche Verteilung der Studienbeihilfen folgt, sodass nicht nur wirklich Bedürftige, sondern fallweise auch jene in den Genuss der Studienbeihilfe kommen, die im Grunde genommen aufgrund der Einkommensverhältnisse/Lebensverhältnisse ihrer Eltern keinen Anspruch darauf hätten. Würde man diese Lücke endlich schließen, stünden hohe finanzielle Mittel frei zur Verfügung, womit man dann beispielsweise die Höhe der Studienbeihilfe für die wirklich finanziell schlechter gestellten Studierenden erhöhen könnte.

 

Auch mit den angeblich tollen Unterstützungen für studierende Mütter rühmt sich das BMFW. Diese sind zwar finanziell gesehen, sowohl während als auch nach der Schwangerschaft, akzeptabel gesichert, aber Geld allein hilft den Müttern während des Studiums nur bedingt. Wichtig wären staatlich finanzierte Kinderbetreuungsstätten direkt an den einzelnen Universitäten, wo die Studentinnen ihre Kinder während der Vorlesungszeiten in Obhut geben und so ihr Studium auch wirklich noch absolvieren können. Am Ende des Kapitels über die Lage der Studierenden in Österreich lassen sich Prognosen über die zukünftige Entwicklung unserer Bildungssituation nachlesen. Was hier immer wieder hervorsticht, ist nicht nur der allgemeine Anstieg der Akademikerquote, sondern vor allem die bisherige und zukünftige Entwicklung von Frauen im Bildungsbereich: Die Zahlen der Maturantinnen, wie auch die der weiblichen Studierenden und der dann tatsächlichen Absolventinnen einer Hochschule steigen immer mehr an und liegen prozentuell bereits jetzt über denen ihrer männlichen Kollegen. Gar von einer „Verweiblichung“ der wissenschaftlichen Universitäten in den nächsten 25 Jahren ist die Rede. Vom negativen Beigeschmack, den dieser Ausdruck ohne Frage mit sich bringt, ganz abgesehen, stellt diese Entwicklung sicher eine neue Herausforderung für die Politik dar, auf die sie sich rechtzeitig und zeitgemäß wird vorbereiten müssen. An einem Neu- bzw. Umdenken in der Familienpolitik wird kein Weg vorbeiführen. Denn man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass bei einer prognostizierten Akademikerinnenquote von 20% diese Frauen ihre Bildung nicht zu Hause verblassen lassen werden wollen, sondern sehr wohl ihr Wissen in der Praxis erwerbstätig ausüben werden.

 

Sigrid Gugerbauer
Landesgruppenvorsitzende Wien
Vorsitzende WU- Wien

Nicole Krugluger
1. Stellvertreterin WU-Wien